Phytophthora ramorum

Rechtsgrundlagen

Mit der Entscheidung 2002/757/EG (konsolidierte Fassung) wurden vorläufige Sofortmaßnahmen zur Verhinderung der Einschleppung und Ausbreitung von Phytophthora ramorum beschlossen. Diese wurden zuletzt durch den Durchführungsbeschluss (EU) 2016/1967 aktualisiert.

Der Schädling Phytophthora Ramorum

Phytophthora ramorum ist ein pilzähnlicher Mikroorganismus, dessen Einschleppung und Ausbreitung in der EU verhindert werden soll. Wie alle anderen Phytophthora-Arten ist P. ramorum an das Leben im Wasser sehr gut angepasst – Staunässe und lange Blattfeuchte sind daher ideal. Der Wirtspflanzenkreis umfasst unterschiedlichste Laubgehölze, aber auch einige Nadelgehölze und einige wenige krautige Pflanzen. P. ramorum ist in der EU meldepflichtig und es müssen Maßnahmen zur Ausrottung gesetzt werden.

Der genaue Ursprung der Pilzkrankheit ist nicht bekannt, es wird aber vermutet, dass der Schaderreger aus Asien stammt und ziemlich zeitgleich in die USA und nach Europa eingeschleppt wurde.

Schäden durch P. ramorum wurden in Europa erstmals in den 1990er Jahren gemeldet (an Rhododendron und Viburnum in Deutschland und Niederlanden). In den USA war P. ramorum ursprünglich als Forstkrankheit, v.a. an Eiche angesehen (daher auch der Name Sudden Oak Death), während der Schaderreger in Europa hauptsächlich an den Zierpflanzen Rhododendron, Viburnum (Schneeball) und Pieris (Lavendelheide, Schattenglöckchen) in Baumschulen und Gartencentern nachgewiesen wurde und an Eichen bisher keine signifikanten Schäden verursacht hatte. Bis heute haben 20 Länder Europas das Auftreten von P. ramorum gemeldet. In Österreich konnte die Pilzkrankheit bisher nicht nachgewiesen werden.

Was sind die Einschleppungswege und wie erfolgt die Ausbreitung?

Das größte Risiko der Einschleppung von P. ramorum besteht beim Kauf infizierter Pflanzen aus einem Befallsgebiet.

Lokal breitet sich die Krankheit durch kontaminierte Böden und Wasser sowie infiziertes Pflanzenmaterial aus. Innerhalb eines Bestandes geht die Verbreitung von erkrankten Pflanzen über Kontakt, Spritzwasser, Regenwasser, kontaminierte Gegenstände und auch Luft aus. Befallen werden hauptsächlich oberirdische Pflanzenteile. Der Erreger dringt durch Wunden, natürlichen Öffnungen (Stomata, Lentizellen), aber auch unverletztes Gewebe ein. Neben hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugt P. ramorum gemäßigte Temperaturen. Ein Überleben im Winter ist im Boden und in der Laubstreuschicht möglich.

Was wird getan, um die Einschleppung und Verbreitung von zu verhindern?

Außereuropäische Isolate von Phytophthora ramorum sind als Unionsquarantäneschädlinge (Gewöhnliche UQS) gelistet und unterliegt dadurch bestimmten amtlichen Überwachungs- und Bekämpfungsmaßnahmen. In der Entscheidung der Europäischen Kommission 2002/757/EG (erweitert durch die Entscheidungen 2004/426/EG und 2007/201/EG sowie den Durchführungsbeschlüssen 2013/782/EU und 2016/1967/EU) wurden detaillierte Maßnahmen zum Schutz der EU gegen die Einschleppung und Ausbreitung von P. ramorum festgelegt. Diese umfassen Vorschriften hinsichtlich der Einfuhr von Wirtspflanzen sowie anfälliges Holz. In Österreich führt das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) Importkontrollen von Wirtspflanzen an Ersteintrittstellen durch (z.B. am Flughafen Wien), für Holz ist das Bundesamt für Wald zuständig. Von den Pflanzenschutzdiensten in den Bundesländern wird ein Überwachungsmonitoring zur Früherkennung eines Befalls mit P. ramorum durchgeführt.

Wie kann man eine Infektion mit Phytophthora ramorum erkennen?

Die befallenen Pflanzenteile zeigen meist unspezifische Verbräunungen, nicht unbedingt stirbt die gesamte Pflanze ab. Folgende Symptome können bei Wirtspflanzen einen Hinweis auf P. ramorum geben: schwarz-braune Flecken an Blattspitzen und -rändern oder auch (v.a. bei Rhododendron) vom Blattstiel her beginnend, Absterben der Blätter und vorzeitiger Blattfall, Triebsterben, braun verfärbtes Gewebe unter der Rinde, rasches Welken der Pflanze, Schleimfluss. Eine Unterscheidung von anderen Phytophthora-Arten ist visuell nicht möglich. Daher ist eine Probenahme bei Befallsverdacht und Bestimmung der Art im Labor notwendig.

Bitte melden Sie Verdachtsfälle an den zuständigen Pflanzenschutzdienst ihres Bundeslandes!

Welche Pflanzen wären in Österreich gefährdet?

Neben hoher Luftfeuchtigkeit bevorzugt P. ramorum gemäßigte Temperaturen. Der Schaderreger entwickelt sich zwischen 2 und 26 °C, überlebt aber auch Temperaturen unter -5 °C und über 32 °C. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die Entwicklungsbedingungen in Österreich günstig sind.

Während das Wirtspflanzenspektrum in den USA sehr weit gefasst ist, sind in Europa vor allem die Arten Viburnum und Rhododendron gefährdet. Jedoch ist das Wirtsspektrum noch nicht abschließend geklärt, auch andere Zierpflanzen konnten als Wirtspflanzen nachgewiesen werden (z.B. Pieris, Camellia). In welchem Ausmaß europäische Waldbaumarten durch P. ramorum gefährdet sind, ist derzeit noch ungewiss.

Wo kann ich weitere Informationen zu Phytophthora ramorum finden?

Webseite der Europäische Kommission
Allgemeine Informationen der EPPO
Presseartikel der EFSA
Risikobewertung der EFSA

Kontakt

Amtlicher Pflanzenschutzdienst

DI Lydia Seelmann
Tel.: +43 50 555-33318
lydia.seelmann@ages.at

Stand der Information: Februar 2017

Eckpunkte der Phytophthora ramorum - Entscheidung

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