Heerwurm (Spodoptera frugiperda)

Rechtsgrundlagen

Mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2018/638 wurden Dringlichkeitsmaßnahmen zum Schutz der Union gegen die Einschleppung und Ausbreitung des Schadorganismus Spodoptera frugiperda festgelegt.

Heerwurm (Spodoptera frugiperda)

Spodoptera frugiperda [(kurz Sf), deutsch: Heerwurm] ist eine Schmetterlingsart aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Sie ist in Süd-, Zentral- und Nordamerika beheimatet. Von ihrem Auftreten in Westafrika wurde erstmals 2016 berichtet. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Art auf das gesamte Gebiet südlich der Sahara ausgebreitet und wurde dort zu einem der wichtigsten Schädlinge, insbesondere an Mais.

Die Art tritt in Europa bislang noch nicht auf.

Was sind die Einschleppungswege und wie erfolgt die Ausbreitung?

Sf hat einen sehr breiten Wirtspflanzenkreis und befällt eine Vielzahl von Pflanzenfamilien. Bevorzugt werden Arten aus der Familie der Süßgräser [Poaceae]. Wichtige Kulturarten sind Mais, Hirse und Reis; darüber hinaus werden aber auch diverse Gemüse- und Zierpflanzenarten befallen.

Eine Einschleppung von Sf im Larven- und Eistadium kann durch den Handel mit Waren aus Befallsländern erfolgen. Durch das Auftreten der Art im oberen Niltal (im Sudan) ist eine rasche Ausbreitung entlang des Nils nach Ägypten und in weiterer Folge im Mittelmeerraum zu erwarten. Aufgrund des intensiven Handels mit den Mittelmeerländern erhöht dies die Wahrscheinlichkeit, dass der Falter auch in Österreich nachgewiesen werden kann.

Die natürliche Ausbreitung erfolgt über größere Distanzen durch die aktive Flugtätigkeit der Falter (s.u.)

Was wird getan, um die Einschleppung und Verbreitung zu verhindern?

Sf ist derzeit als Quarantäneschädling geregelt. Es gelten besondere Maßnahmen bei der Einfuhr von Pflanzen von Dendranthema (Chrysanthemen), Dianthus (Nelken) und Pelargonium. Mit dem Durchführungsbeschluss (EU) 2018/638 wurden weitere Maßnahmen zum Schutz der Mitgliedsstaaten gegen die Einschleppung von Sf erlassen. Diese umfassen erweiterte Einfuhrkontrollen an den Eintrittstellen in die EU (Flughäfen, Häfen, Landweg): ab 01.06.2018 müssen Drittstaaten in denen Sf auftritt für die Einfuhr in die EU auch für Früchte von Capsicum (Paprika, Chilli), Momordica (Bittergurke), Solanum melongena, S. aethiopicum und S. macrocarpon (Auberginen), sowie von Pflanzen von Mais (z.B. Maiskolben) bestimmte zusätzliche Erklärungen am Pflanzengesundheitszeugnis erbringen.

In Österreich führt das BAES die Einfuhrkontrollen durch.

Die Pflanzenschutzdienste der Bundesländer führen Erhebungen zur Früherkennung möglicher Befallsherde durch.

Wie kann man einen Befall erkennen?

Durch ihre Frasstätigkeit verursachen die Larven unspezifische Symptome, wie v.a. Loch- oder Kahlfraß an den Blättern. Larven, die Bohrgänge durch die Stängel der Wirtspflanzen fressen, können zum Umknicken der Pflanzen führen. Im Gegensatz zu Arten anderer Schmetterlingsfamilien werden die Blätter nicht verklebt und es werden auch keine Gespinste gebildet. Eier und Larven sind an allen oberirdischen Pflanzenteilen zu finden.

Die Eiablage durch die adulten Falter erfolgt in Gelegen von 100 - 300 Eiern. Die Eigelege sind durch Schuppen vom Abdomen der Falter geschützt. Bei Temperaturen zwischen 20 und 27°C schlüpft nach 2-4 Tagen das erste Larvenstadium. Die ersten beiden Stadien fressen gesellig an den jungen Blättern und im Vegetationskegel. Das 3. Stadium verbreitet sich einige Meter im Bestand. Im letzten Larvenstadium kann Sf identifiziert werden anhand drei gelber Streifen, der vier im Quadrat angeordneten behaarten Flecken am letzen Segment und der Y-Form auf der Kopfkapsel. Nach 6 Larvenstadien erfolgt die Verpuppung im Boden. Die Falter sind unauffällig mit einer Flügelspannweite von 3-4 cm. Die gesamte Entwicklungsdauer von Ei zum Falter beträgt 66 Tage bei 18°C und 18 Tage bei Optimaltemperatur von 28°C. In wärmeren Regionen sind bis 6 Generationen pro Jahr möglich.

Welche Bedeutung hat die Art für die Pflanzenproduktion in Österreich?

Sf ist eine Schmetterlingsart der es nicht möglich ist durch ein Stadium der Entwicklungsruhe (Diapause) ungünstige Bedingungen zu überleben. Bei Temperaturen unter 10° erfolgt keine weitere Entwicklung mehr. Das bedeutet, dass für Sf eine dauerhafte Ansiedlung in Mitteleuropa aufgrund der Winterfröste nicht möglich ist und die Art nur in der warmen Jahreszeit zu Schäden führen kann. Aufgrund der Flugfähigkeit der Falter und seinem ausgeprägten Wanderverhalten in seiner ursprünglichen Heimat Amerika, wo eine jährliche Ausbreitung von südlichen US Bundesstaaten (Florida, Texas …) über einige 100 km bis nach Kanada beobachtet wird, kann man davon ausgehen, dass bei einer Einschleppung in den Mittelmeerraum auch bei uns mit dem Auftreten von Sommerpopulation an den diversen Wirtspflanzen zu rechnen ist.

Das Schadenspotential dieser Art für Österreich ist aber gering.

Wo kann ich weitere Informationen zu Spodoptera frugiperda finden?

Allgemeine Informationen der EPPO
Risikobewertung (kurz) der EFSA
Informationen des FAO

Allgemeines

Informationen des BAES zur Bedeutung von Spodoptera frugiperda für die österreichische Landwirtschaft:

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